Predigt: „Jesus ist auferstanden – das ist gegen alle Erfahrung und alles Wissen

Text/Thema: Jesus ist auferstanden – das ist gegen alle Erfahrung und alles Wissen (Markus 16,6)

Gehalten (Datum/Ort): 17.4.22 S-HK (Ostern); Markus Bauder

Der Engel sprach: Ihr sucht Jesus, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier. Geht hin und erzählt es den Jüngern. Erzählt es allen.

Und dann wird etwas seltsames berichtet: Die Frauen rannten davon, waren voller Panik und erzählten es – niemand!

Der Engel sprach: Ihr sucht Jesus, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier. Geht, erzählt es weiter.

Das ist die Osterbotschaft. Darum geht es im christlichen Glauben. Darum geht es auch mir heute. Christus ist auferstanden. Er ist nicht hier. Geht, erzählt es.

Das will ich heute tun. Und vielleicht gelingt es ja, dass Ihr ein bisschen etwas von der Unglaublichkeit dieser Botschaft mitbekommt. Von der Sensation, die wir an diesem Tag sein fast 2000 Jahren feiern.

Denn …. Auferstehung kann gar nicht sein und widerspricht aller menschlichen Erfahrung und unserem Wissen.

Ich hab Euch dazu ein nettes Bild mitgebracht, das ich vor einigen Jahren mal im Internet auf der Satireseite „Der Postillon“ gefunden habe. „Gegen die Fahrtrichtung“

Ich habe 12 Jahre in einer Einbahnstraße gewohnt. Zu den wirklich gefährlichen Momenten gehörte, wenn man in der richtigen Richtung einbiegt und einem gegen alle Erwartung ein Auto entgegenkommt. Das ist tatsächlich immer wieder passiert. Man erschrickt, ist fassungslos, verärgert und hat hoffentlich eine gute Reaktion um einen Unfall zu vermeiden. Von meinem Büro aus konnte ich das manchmal beobachten. Wie es eben ist, wenn Menschen plötzlich mit einem unvorhersehbaren Ereignis konfrontiert werden und in Stress geraten.

Ostern ist für die ersten Menschen, die es erleben wie wenn einem in einer Einbahnstraße plötzlich ein Fahrzeug entgegenkommt.

Im Markusevangelium, aus dem unser Auferstehungswort stammt, rennen die Frauen in wilder Panik davon und erzählen keinem Menschen von dem, was sie erlebt haben.

Der Tod ist eine Einbahnstraße. Da kommt einem keiner entgegen. Das gibt’s doch nicht. Davon hat man noch nie gehört.

Wo kommen wir denn hin, wenn das nicht so wäre…

Da sitzt ein Fahrgast im Taxi auf dem Rücksitz und tippt dem Fahrer auf die Schulter, weil er ihn ansprechen möchte. Der erschrickt furchtbar, reißt das Lenkrad rum und baut beinahe einen Unfall.

Der Fahrgast sagt: Ja, um Gottes Willen, was ist denn mit ihnen los?“ „Wissen Sie“, sagt der Taxifahrer, „das ist mein erster Arbeitstag als Taxifahrer. Bis vor kurzem bin ich Leichenwagen gefahren“.

Der Tod ist eine Einbahnstraße. Da kommt einem keiner entgegen. Überlegt mal, was das für unsere Friedhofs- und Totenkultur bedeuten würde, müssten wir tatsächlich damit rechnen, dass uns hier jemand entgegenkommt.

Stellt Euch mal vor, unsere Friedhöfe wären nicht nur Orte, wo Menschen gehen, sondern auch kommen.

Nein, nein, der Tod ist immer noch eine Einbahnstraße. Da kommt einem keiner entgegen.

Was, wenn doch? Wenn da plötzlich doch einer zurückkommt.

Es widerspricht all unserer Erfahrung und all unserem Wissen.

„Der schwarze Schwan“ ist der Titel eines Buches, in dem es um Ereignisse in unserem Leben geht, mit denen wir nicht rechnen, gar nicht rechnen können. Weil sie unserer Erfahrung und unserem Wissen widersprechen.

Schwarze Schwäne gibt es nicht. Denkt man. Aber wenn doch? Ein unvorhersehbares Ereignis. Wenn ein unvorhersehbares Ereignis eintritt, hat es nicht selten eine sehr große Auswirkung auf unser Leben.

Zum Beispiel eine Pandemie. Oder ein Krieg. Oder auch ein Autounfall, ein Terrorangriff, ein Vulkanausbruch oder ein Erdbeben sein.

Mit solchen Ereignissen muss man nicht unbedingt rechnen. Aber wenn sie passieren, wirken sie sich massiv aus. Ein schwarzer Schwan.

Wenn das mal nicht auch auf die Auferstehung Jesu zutrifft. Sie widerspricht all unserer Erfahrung, ist im Grund nicht vorhersehbar und hat trotzdem oder gerade deshalb eine große Auswirkung auf unser Leben.

Das Unvorhersehbare ist passiert. Einer ist zurückgekommen. Jesus ist auferstanden. Der Tod hat ihn nicht festhalten können.

Was könnte das bedeuten?

Man denkt, die Welt ist untergegangen und dann steht einer da und sagt „Nein, ist sie nicht“.

Man wähnt das eigene Leben am Ende, weil etwas ganz Schlimmes passiert ist, das unsere Hoffnungen zerplatzen ließ wie einen Luftballon. Und dann sagt uns jemand – nein, so ist es nicht.

Würdet ihr diesem Boten glauben? Diesem Boten Gottes, der sagt: das, was du begraben willst, ist gar nicht mehr hier. Es ist auferstanden.

Nein, werdet ihr mir jetzt sagen, das war ja nur bei Jesus so. Nur Jesus ist von den Toten auferstanden. Nein, sage ich, das Beispiel Jesus zeigt uns, dass es immer Hoffnung gibt. Auch dort, wo wir unsere Hoffnung einbalsamieren und begraben wollen.

Nicht, dass wir wirklich damit planen könnten, aber es kann trotzdem passieren. Ostern bedeutet, dass es die Auferstehung von den Toten gibt. Geben kann. Und was einmal passiert ist, kann wieder passieren. Und was damals in Jerusalem passiert ist, kann auch bei uns passieren. Und, was für das Leben Jesu gilt, kann auch für anderes Leben gelten. Und was für ein ganzes Leben gilt, kann auch für Teile und einzelne Situationen des Lebens gelten.

Auferstehung findet bis heute statt. Unvorhersehbar und überraschend. Man kann es nicht wirklich einplanen wie man seine Ausgaben plant. Und sollte doch damit rechnen. Jesus lebt.

Eines hat mich das Buch von den Schwarzen Schwänen auch gelehrt: wenn Du einmal einen Schwarzen Schwan gesehen hast, wirst Du nie wieder behaupten, es gäbe keinen.

Wer einmal erfahren hat oder glaubt, dass es die Auferstehung von den Toten gibt. In diesem Menschen ist ein Licht entzündet, das sich nicht so schnell wieder löschen lässt. Wer das erfahren oder erlebt hat, weißt für immer, dass der Tod nicht das Ende sein muss. Dass es Hoffnung gibt.

Die Welt dreht sich etwas anders weiter als vorher.

Und deshalb glaube ich tatsächlich an die Auferstehung Jesu. Denn diejenigen, die als erste davon berichten, haben erstmal genauso reagiert, wie man reagiert, wenn man mit einem unvorhersehbaren Ereignis konfrontiert wird. Wenn einem in der Einbahnstraße jemand entgegenkommt.

Denn, sie erschrecken, sind panisch, bestürzt, rennen herum und wissen erstmal nicht, was sie tun sollen.

Später sind sie sich dann aber alle einig: wir haben den Auferstandenen gesehen. Auf welche Weise auch immer. Sie haben den Auferstandenen gesehen. Und mit dieser Einsicht beginnt eine neue Zeitrechnung.

Manchmal stelle ich mir vor, wie sie von da an fieberhaft angefangen haben, die Geschichte von Jesus zusammenzusuchen. Wie sie rumgefragt haben, zusammengesessen haben und versucht haben sich zu erinnern. Weißt Du noch, so war das doch. Nein, das war ganz anders. Das hat er gesagt, nein das hat er nicht gesagt….

Alles im und aus dem Leben Jesu ist ja erst von diesem Moment an wichtig als sie kapiert haben – er ist tatsächlich auferstanden.

Er ist tatsächlich der Messias. Der Sohn Gottes. Der Erlöser für die ganze Welt.

Auch deshalb lassen sich natürlich alle Geschichten und Berichte über Jesus nur und erst von dieser Tatsache aus lesen und verstehen. Er ist der, der den Tod überwunden hat.

Manchmal bedauere ich es fast, dass ich diesen Moment nicht miterlebt habe. Seit ich denken kann weiß ich ja, dass Jesus von den Toten auferstanden ist. Totenauferstehung? Natürlich. Jesus ist auferstanden. Ich bin weder überrascht noch geschockt.

Es haut mich allerdings auch im positiven Sinn nicht aus den Socken. Es ist eher so, dass ich mich mit zunehmendem Alter mehr wundere, dass ich mich nicht schon früher gewundert habe und mir die Ungeheuerlichkeit dieser Botschaft bewusst gemacht habe.

Gott hat den Tod überwunden.

Damit hat er nicht nur den Tod überwunden. Dieses Ereignis hat noch andere Auswirkungen. Auf einmal ist mal mindestens alles, was man über Jesus weiß, wichtig. Alles, was er gesagt, was er getan hat. Wie er gelebt hat.

Beispiele?

Selig sind die Sanftmütigen! Und diejenigen, die Frieden wollen und stiften.

Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.

Was hilft es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt und Schaden nimmt an seiner Seele.

Dir sind deine Sünden vergeben.

Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Und vieles mehr…

Ich weiß nicht, was ihr heute alles feiert? Eigentlich kann man heute nur einen feiern: Gott, der Jesus Christus von den Toten auferweckt hat.

Eins gegen Ende noch: Der Engel schickt die Frauen vom Grab in Jerusalem nach Galiläa. In ihre alte Heimat. Von Jerusalem nach Galiläa.

Jesus feiern und ihn als Auferstandenen entdecken und erleben, dazu kann man nach Jerusalem fahren. Oder ein anderes christliches Mekka. So einen besonderen Kraftort.

Ihr kennt das ja: „wenn ich wirklich Nahrung für meinen Glauben brauche, dann fahre ich nach …“ Jerusalem. Oder in dieses besondere Kloster. Oder nach Taizé. Oder zu diesem Prediger.

Das ist durchaus ok. Und im Grunde kann ja sogar jeder Gottesdienst so eine kleine oder größere jerusalemische Sternstunde sein.

Aber der Engel schickt die Jünger nach Hause. Geht nach Galiläa. Dort werdet ihr ihn sehen.

Nicht dass wir den Auferstandenen nicht auch in unserem Jerusalem besuchen und feiern dürften und könnten.

Aber das Zuhause darf nicht fehlen. Oder braucht nicht fehlen.

Heute Morgen hier im Gottesdienst. Jesus ist auferstanden! Aber eben auch nachher zuhause: Jesus ist auferstanden. Er ist in Euren Häusern genauso erfahrbar wie hier.

Er ist hier in der heiligen Hoffnungskirche zu Stuttgart erfahrbar, aber eben auch in Eurem Wohnzimmer. Oder Garten. Oder nachher bei der Gemeinschaft am Tisch. Oder beim Arbeiten. Oder auf dem Sofa.

Und in diesem Sinn wünsche ich Euch frohe Ostern. Dass ihr ein Gespür dafür entwickelt wie sehr die Auferstehung Jesu allem widerspricht, was es so an Erfahrung und Wissen auf dieser Erde gibt. Wie unglaublich das ist, dass es das gegeben hat. Und wie sehr dies der Welt eine neue, hoffnungsvolle Perspektive gibt. Und nicht nur der Welt. Auch uns persönlich. Dir und dir und mir. Und überall. In der großen Welt der Jerusalems. Und in unserer kleinen Welt in Galiläa. Er lebt! Amen