Leben mit Passion

Predigt

Von Pastor Markus Bauder
Hoffnungskirche 28.02.2021
Es gilt das gesprochene Wort

Leben mit Passion – fünf leidenschaftliche Wochen liegen vor uns. So hoffe ich es jedenfalls.

Der Titel ist natürlich mit Bedacht gewählt. Leben mit Passion. Leben mit Leidenschaft. Leben mit Leiden.

Die Passion Jesu – eine Geschichte voller Leidenschaft, aber auch eine Leidensgeschichte.

Und unser Leben – auch ein Leben mit Passion? Mit Leidenschaft? Mit Leiden? Mit Vorlieben und Herzensangelegenheiten?

Irgendwann ist mir klargeworden, dass das Eine etwas mit dem anderen zu tun hat: Leidenschaft für eine Sache oder Menschen hat oft auch etwas mit der Bereitschaft zu tun, für seine Sache etwas in Kauf zu nehmen. Etwas auf sich zu nehmen. Eventuell sogar zu leiden.

Wahrscheinlich hängt beides genau aus diesem Grund auch eng zusammen.

Leidenschaft und Leiden. Passion eben.

Wenn man im Duden nachschaut, stößt man auch sofort auf genau diese beiden Dinge:

Eine Passion ist eine starke, leidenschaftliche Neigung zu etwas, eine Vorliebe. Etwas wo man sich hingibt, man könnte auch sagen ganz hineingibt. Mit Haut und Haar. Ganz eben.

Und dann kennt man den Begriff Passion natürlich von der Leidensgeschichte Jesu. Das lateinische Wort für Leiden heißt passio. Das Leben Jesu ist eine Passionsgeschichte, eine leidenschaftliche Geschichte und es ist eine Leidensgeschichte. Die Jahre seines öffentlichen Wirkens sind voller Leidenschaft. Und sie führen in seine Passion, sein Leiden, seinen Tod.

Eine leidenschaftliche Neigung haben, sich hingebungsvoll für eine Sache einsetzen und die Passion Jesu. „Leben mit Passion“ eben. Dazu lade ich euch ein. Und darüber möchte ich mit euch an dieser Stelle noch ein wenig nachdenken.

Leidenschaft, Eine Passion haben – kennst Du das? Hast Du eine Passion?

Leider können wir hier jetzt nicht einfach eine kleine Pause machen und miteinander ins Gespräch kommen. Deshalb habe ich Personen aus unseren Gemeinden gefragt: was ist deine Leidenschaft, deine Passion? Kennst Du das? Und einige haben mit einem kleinen Video geantwortet.

Videos anschauen

Ich habe mir diese Frage auch gestellt. Was ist meine Passion? Meine Leidenschaft?

Abgesehen davon, dass es Dinge gibt, die ich sehr gerne mache wie kochen oder essen oder Sport treiben, gibt es etwas, dem ich wirklich sehr vieles unterordnen würde. Wenn man so will ist das tatsächlich eine meiner Passionen, im Grunde sogar die wichtigste: meine Frau. Für sie und um mit ihr etwas zu tun, um für sie da zu sein, da stelle ich, nach Möglichkeit, alles andere hintenan.

Und dann, hab ich gedacht, gibt es da noch etwas, das eine meiner größeren Leidenschaften ist. Wenn das gelingt, immer wieder gelingt, bin ich glücklich: ich verstehe mich als Ermöglicher. Ich versuche anderen Menschen etwas zu ermöglichen. Nämlich sich im Reich Gottes und der Gemeinde einzubringen. Es gibt für mich nichts Schöneres als wenn ich mit vielen anderen ein Projekt organisiere und dann erlebe, dass andere sich einbringen und dabei glücklich sind. Weil sie etwas tun, was ihnen Freude macht. Weil sie etwas Sinnvolles tun. Für sich, für andere, für Gott. Weil es gelingt. Und weil wir darin ein Stück weiterkommen im Reich Gottes.

Menschen bevollmächtigen, sich einzubringen in ein großes Ganzes, das finde ich klasse. Ich lege gerne auch meinen Beitrag dazu. Aber wenn viele, möglichst alle mitmachen, das ist das Beste.

Das ist meine Passion.

Ich gehe mal davon aus, dass Euch auch etwas eingefallen ist…

Etwas, das Euch eine Herzensangelegenheit ist. ————-

Bei manchen Beiträgen ist es schon zum Ausdruck gekommen: Eine Passion haben, bedeutet manchmal über die Grenzen zu gehen. Bedeutet einen Aufwand zu haben, bedeutet manchmal sogar ein Leiden in Kauf zu nehmen. Zumindest die Bereitschaft, der Passion anderes unterzuordnen…

Schlafen ist nicht so wichtig, wenn es um unsere Passion geht. Essen und trinken manchmal auch nicht. Wir sind bereit, für unsere Passion Zeit und Geld zu investieren. Manchmal stellen wir Dinge hintenan, die uns auch wichtig sind wie Familie oder Karriere.

Was natürlich auch anders herum gilt: das, wofür ich anderes hintenan stelle, wofür ich viel Zeit investiere und einige Opfer bringe, ist meine Leidenschaft, meine Passion. – Unter Umständen auch dann, wenn ich das gar nicht wahrhaben will…

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Vermutlich ist es euch schon aufgefallen: die Frage, was ist deine Leidenschaft oder deine Passion könnte man auch anders stellen: was liebst du? Was oder wen liebst du?

Es ist im Grunde dasselbe. Das ist ja auch total verständlich: für das, was wir lieben, oder für die Menschen, die wir lieben, sind wir bereit, uns einzubringen, uns hineinzugeben, ja sogar Opfer zu bringen und zu leiden.

Es geht also in den folgenden Wochen um unsere Leidenschaften, unser Leiden und Lieben.

Und es geht um das Leben und Leiden Jesu. Interessanterweise geht es dabei irgendwie auch um uns. Denn nach dem, was Jesus erzählt und lebt, geht es in seiner Passion, in seiner Leidenschaft um uns. Er ringt um uns. Er kämpft um uns. Weil wir ihm wichtig sind. Weil er uns liebt.

Weil wir die Wahl haben. Für oder gegen ihn.

Diese Freiheit, bzw. Wahlmöglichkeit unterscheidet uns von der übrigen Schöpfung. Es macht die Größe des Menschen aus. Und seine Niedrigkeit. Krone der Schöpfung oder ihr schlimmster Feind. Wir sind beides. In der Möglichkeit zu wählen, liegt ein Stück der Ebenbildlichkeit Gottes, liegt die Freiheit und Würde des Menschen. Wir können einen guten Weg wählen. Aber wir müssen nicht.

Das ist kein Selbstläufer. Und deshalb ringt Gott um uns. Jesus ringt darum, dass wir den guten Weg wählen. „Ich bin gekommen zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.“

„Ich bin der gute Hirte, der sein Leben gibt für seine Schafe.“

Das ist die Passion Jesu, seine Leidenschaft. Und da hinein steckt er seine ganze Hingabe. Die Botschaft eines gütigen Gottes, der um seine Menschenkinder kämpft.

Das ganze öffentliche Leben Jesu drückt etwas von dieser Leidenschaft aus. Er erzählt uns von Gott als seinem Vater, der die Menschen liebt. Der Himmel freut sich über jeden Menschen, der sich diese Liebe gefallen lässt und annimmt. „Heute ist diesem Haus Heil wiederfahren“ sagt er nach dem Besuch bei Zachäus.

Jesus will das Heil von uns Menschen. Das ist ein alter Begriff, aber verstehen können wir durchaus, wenn etwas „heil“ ist. „Ganz“ oder „unbeschädigt“.

Weil Gesundheit ein sehr nachvollziehbares Zeichen für heil sein ist, zeigt er an vielen Menschen, dass er sie „heil“ machen kann, indem er sie von Krankheiten heilt.

Und er zeigt, dass heil sein auch etwas mit der menschlichen Schuldfrage zu tun hat. Wer ist schuld am Unheil in der Welt und im Leben von uns Menschen? Die Antwort, die er anbietet, lautet, dass Gott in letzter Konsequenz alle Schuld auf sich nimmt. Er sagt im Namen Gottes: „ich bin schuld“. Nicht weil er tatsächlich etwas falsch gemacht hätte, sondern weil Gott Ursprung und Ziel allen Lebens ist. Das Leben, das Gott geschaffen hat, kommt nicht ohne Schuld aus. Aber Gott nimmt die Schuld auf sich. Und deshalb muss Schuld nicht in jeder Konsequenz gesühnt werden, sondern vergeben. Deshalb kann uns die Schuld abgenommen werden.

Dadurch wird unser Leben heil. Oder war es vorher schon, wir wussten es nur noch nicht. Der Tod Jesu Christi, seine Passion, macht es sichtbar und soll uns zurufen: alles vergeben. Erledigt. Dir ist Vergebung widerfahren.

Und deshalb ist der Kernsatz nicht nur der Passionsgeschichte, sondern des Glaubens überhaupt, die Bitte Jesu: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“ „Vergib ihnen“.

Er sagt in letzter Konsequenz: „ich tue alles dafür und gebe dafür alles hin, dass die Menschen erkennen, dass das Geheimnis des letzten Glückes, des „heil“ und „ganz“ sein, darin besteht, dass sie das mit der Vergebung kapieren.“ Heil sein wird nicht erarbeitet, sondern zugesprochen, geschenkt.

Das ist die Passion Jesu. Seine Leidenschaft, sein Leiden und letztlich sogar sein Glück: „Es ist vollbracht“.

Darum geht es bei Leben mit Passion.

Sie wollen vielleicht wissen, was das jetzt konkret heißt? Genau darum geht es in den nächsten Wochen. Genau darum geht es in den kurzen Andachten in diesem Andachtsheft „Leben mit Passion“ – und in den Gruppengesprächen in den nächsten Wochen oder in den Gottesdiensten. Machen sie mit. Laden sie das Heft von unserer Homepage runter, oder nehmen Sie es nachher hier mit – wenn noch welche fehlen, wir liefern gerne noch nach…

Stille – kurzes Gebet

Unser Leben sei ein Fest – auch in diesem Lied geht es nochmal um Gedanken aus der Predigt.