Der wahre Weinstock – Hausgottesdienst 3.5.2020


(Von Matthew Burnett)

Ein Gottesdienst zu Hause
zu Hause und mit allen –
durch den Geist verbunden


Kerze anzünden
Stille
Gebet
Gott,
ich bin hier (wir sind hier)
allein
und doch durch deinen Geist alle miteinander verbunden
Und so feiere ich, so feiern wir
in deinem Namen Gottesdienst
Im Namen des Vaters und des Sohnes
und des Heiligen Geistes
Galaterbrief 5, Vers 22:
Der Geist Gottes bringt in unserem Leben Gutes hervor: Liebe und Freude, Frieden und
Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Besonnenheit und Selbstbeherrschung.

Liedvorschlag: Großer Gott wir loben dich (Methodistisches Gesangbuch 2)


Psalm 1 (Übersetzung nach Luther 2017)
1 Wohl dem, der nicht wandelt im Rat der Gottlosen / noch tritt auf den Weg der Sünder
noch sitzt, wo die Spötter sitzen,
2 sondern hat Lust am Gesetz des HERRN und sinnt über seinem Gesetz Tag und Nacht!
3 Der ist wie ein Baum, gepflanzt an den Wasserbächen, / der seine Frucht bringt zu seiner
Zeit, und seine Blätter verwelken nicht. Und was er macht, das gerät wohl.
4 Aber so sind die Gottlosen nicht, sondern wie Spreu, die der Wind verstreut.
5 Darum bestehen die Gottlosen nicht im Gericht noch die Sünder in der Gemeinde der
Gerechten.
6 Denn der HERR kennt den Weg der Gerechten, aber der Gottlosen Weg vergeht.
Stille


Liedvorschlag: Was ich erträume (Methodistisches Gesangbuch 392)
wer mag, liest jetzt die Lesepredigt am Ende oder hört sich die Audiodatei an von Matt
Burnett

Predigt Matt Burnett 3.5.2020


Liedvorschlag: Geht Gottes Weg (Methodistisches Gesangbuch 554)
Fürbitt-Gebet
Herr, der du der Weinstock bist,
schenke uns die Kraft, die wir brauchen, um jeden Tag dieser Woche
mit Leben zu füllen.
Herr, der du der Weinstock bist,
wir hängen an dir und bitten dich, lass uns deine Nähe erfahren.
Herr, der du der Weinstock bist,
wir bitten dich,
für die an Covid19 Erkrankten
und für diejenigen, die um ihr Leben kämpfen.
Für alle, die in Medizin und Pflege tätig sind.
– kurze Stille – Evtl. Herr erbarme dich (Methodistisches Gesangbuch 450)
Herr, der du der Weinstock bist,
wir bitten dich,
für Forscherinnen und Forscher und alle,
die Entscheidungen treffen müssen
in Politik, Verwaltung und Unternehmensleitungen.
– kurze Stille – Evtl. Herr erbarme dich (Methodistisches Gesangbuch 450)
Herr, der du der Weinstock bist,
wir bitten dich,
für alle, die weiterarbeiten im Einsatz für andere.
Für alle, die die Arbeit wieder aufnehmen können.
Für alle, die weiterhin von Beschränkungen existenziell betroffen sind.
Für die Feuerwehr-Männer und -Frauen, die bei Tschernobyl und anderswo
Moor- und Waldbrände bekämpfen.
– kurze Stille – Evtl. Herr erbarme dich (Methodistisches Gesangbuch 450)
Herr, der du der Weinstock bist,
wir bitten dich,
für die Abiturientinnen und Abiturienten
und für alle Schülerinnen und Schüler,
die bald wieder zur Schule gehen können.
Für alle, für die weiterhin nur Homeschooling möglich ist.
– kurze Stille – Evtl. Herr erbarme dich (Methodistisches Gesangbuch 450)
Herr, der du der Weinstock bist,
wir bitten dich,
für die Erkrankten und die von Corona Betroffenen
in Ländern mit mangelnder staatlicher Hilfe.
Für Menschen auf der Flucht oder in überfüllten Lagern.
– kurze Stille – Evtl. Herr erbarme dich (Methodistisches Gesangbuch 450)
Herr, der du der Weinstock bist,
wir bitten dich,
für die Besorgten und für die Sorglosen,
für die Ungeduldigen und für die Mahnerinnen und Mahner,
für die Überforderten und für die Gelangweilten.
– kurze Stille – Evtl. Herr erbarme dich (Methodistisches Gesangbuch 450)
Herr, der du der Weinstock bist,
wir bitten dich,
für die Einsamen,
für alle, die Nähe vermissen,
für alle, die nicht wagen, um Hilfe zu bitten.
Für alle, die Begleitung und Beistand bieten – so, wie es möglich ist.
– kurze Stille – Evtl. Herr erbarme dich (Methodistisches Gesangbuch 450)
Herr, der du der Weinstock bist,
wir bitten dich,
für unsere muslimischen Nachbarn
und für alle, die unter vielen Einschränkungen den heiligen Fastenmonat Ramadan feiern.
Für alle, die an den einen Gott glauben;
für alle, die aktiv Frieden suchen und stiften – auch zwischen den verschiedenen
Religionen.
– kurze Stille – Evtl. Herr erbarme dich (Methodistisches Gesangbuch 450)
Herr, der du der Weinstock bist,
eigentlich würde unsere Kirche in diesen Tagen den EMK-Kongress in Gerlingen feiern.
Wir beten für alle, die sich der Kirche verbunden wissen
und die beten und handeln, gestalten und leiten.
Du, unser Gott, hast Jesus Christus ins neue Leben geführt;
Er ist unser Weinstock!
Begleite auch uns in aller Not und Bedrängnis
und lass uns das neue Leben erfahren,
das du uns schenken willst heute und in deiner Ewigkeit.
Stille
Vaterunser
Vater unser im Himmel Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille
geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und
vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns
nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und
die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.


Liedvorschlag: Geh unter der Gnade (methodistisches Gesangbuch 106)
Segen
(eventuell Hände zum “Segenskörbchen“ falten)
Gott segne uns und behüte uns
Gott lasse sein Angesicht leuchten über uns
und sei uns gnädig
Gott erhebe sein Angesicht auf uns
und schenke uns Frieden
Amen.
Stille
Kerze auspusten

Predigt am 03.05.2020

ICH BIN DER WEINSTOCK

(Johannes 15:1-8)
(Matt Burnett)


1 Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater der Weingärtner. 2 Eine jede Rebe an
mir, die keine Frucht bringt, nimmt er weg; und eine jede, die Frucht bringt, reinigt er, dass sie mehr Frucht bringe. 3 Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe. 4 Bleibt in mir und ich in euch. Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht an mir bleibt. 5 Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun. 6 Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt, und man sammelt die Reben und wirft sie ins Feuer, und sie verbrennen. 7 Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren. 8 Darin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt und werdetmeine Jünger. (Johannes 15, 1-8 )

Liebe Gemeinde,
Der Frühling. Ein neuer Beginn. Ein Vorgeschmack des Sommers. Was kommt dir in den Sinn, wenn du an den Frühling denkst? Die Blumen? Die Vögel, die wieder mit ihrem Morgenlied angefangen haben? Oder die Sonnenstrahlen, die die Kälte des Winters überwinden?
Der Frühling ist für viele ein sehr willkommenes Signal, dass das Leben wieder aufgeht. In Texas aber, gibt es keine vier Jahreszeiten. Es gibt nur heiß, und sehr heiß, und weniger heiß und manchmal nur warm. Als ich das erste Mal in den Norden in den USA umgezogen bin, durfte ich meinen allerersten Winter erleben. Am Anfang habe ich mich richtig darauf gefreut, die ersten Schneeflocken zu sehen, aber diese Freude bleib nur bis Mitte Januar und kippte schnell zur Frustration. Die Kälte war für mich fast unerträglich, es tat sogar weh, als ich die Tür aufmachte und eine eiskalte Böe mich wie ein Schlag ins Gesicht traf. Es schien so, als wäre die Hälfte meine Kommilitonen ständig erkältet. Jeden Tag sehnten wir uns alle nach dem Frühling, nach längeren Tagen, nach Wärme, nach Leben! Damals konnte ich fast nicht glauben, dass es irgendwann wieder warm wurde, oder überhaupt werden konnte. Der Winter schien mir damals so dominant zu sein. Du kannst dir bestimmt vorstellen, was für eine Freude wir alle erlebt haben, als der Frühling doch kam. Es war tatsächlich, als hätte ein neues Leben für uns alle begonnen.

Man vergisst viel, wenn man umgeben ist von dem Winter. Ich habe damals vergessen wie es war, in einem T-Shirt und kurze Hosen draußen zu sein. Im Winter bekommt man oft „cabin fever“, wie wir in Englisch sagen, oder in Deutsch, der Lagerkoller. Man will unbedingt raus, aber es ist einfach zu kalt. Vielleicht stehst du mit ähnlichen Gefühlen da in dieser herausfordernden Zeit der Korona-Krise. Vielleicht fällt dir die Decke auf den Kopf. Vielleicht wird dir alles zu eng und die Situation ist so präsent, dass ein Ende kaum möglich erscheint. Frucht bringen in dieser Situation? Wie?

Wenn ich an dieses Bild von Jesus denke, dann fühle ich mich gerade öfters wie die Rebe, die am Verdorren ist. Ich spüre manchmal kein Leben in mir; nur Ungeduld, Frust und Pessimismus. Ich fühle mich einfach leer. Wo sind die Früchte meines Glaubens, die anscheinend sichtbar sein sollen; von denen Jesus redet?

Ich glaube wir sind als ganze Gesellschaft in eine große Winterzeit hineingerutscht. Zum Glück ist das Wetter bis jetzt schön gewesen. Aber wir sind als Glaubensgemeinschaft getrennt von dem, was uns im Wesentlichen ausmacht: Die sichtbare, zwischenmenschliche Wärme, das gemeinsame Essen, einem den Hand reichen, jemanden unsere offenen Arme anbieten, oder anders gesagt, die Liebe Gottes, die in unserem Miteinander spürbar ist, können wir nicht so mit einander leben, wie sonst.

Können wir uns überhaupt Gemeinde nennen, wenn dies nicht möglich ist? Es ist nicht so, dass wir von der Liebe Gottes getrennt sind, vielleicht können wir sagen, wir sind gerade gezwungen, uns diese Liebe in einer anderen Art vorzustellen, als wir uns gewöhnt sind. Ja, wir sind scheinbar in einer Winterzeit.

Im Winter passiert aber etwas sehr Wichtiges bei fast allen Pflanzen. Sie entfernen ihre Blätter. Die Blätter sind ganz oft von Insekten und von anderen Tieren geschädigt. Die Pflanzen entfernen ihre Blätter schon im Herbst, damit neue, gesunde Blätter im Frühling wachsen können. Im Winter gehen die Bäume auch in den Schlafmodus. Dabei leben sie fast nur von der Nahrung, die sie in den warmen Jahreszeiten bekommen haben. Im Winter Leben sie nur von dem Wesentlichen.

Jesu Botschaft an seinen Jüngerinnen und Jünger ist auch so. Sie erinnert uns daran, was das Wesentliche ist. In ihm zu bleiben. Es geht darum, dass wir wieder zurück zu unserem Kern im Glauben kommen, das Leben in Gott. Ein Baum steht nicht da mit einem verzogenen Gesicht und sagt zu sich selber: „Strenge dich an, wir müssen Früchte produzieren, komm jetzt Mal, Gott sagt, wir sollen Früchte tragen, also los, mach was.“ Der Baum weißt, dass die Früchte zur richtigen Zeit kommen werden und dass die Winterzeit ein wesentlicher Teil dieses Prozesses ist. Genauso weißt Gott dass Frucht entstehen wird, wenn wir in ihm sind. Deswegen sagt Jesus, „Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht an mir bleibt.“

Ja, ich denke diese heutige Zeit ist wie eine verlängerte Winterzeit, aber sie wird auch ihr Ende haben. Nun, das Ende ist noch nicht gekommen, aber eine Chance steht offen für uns alle. Wir können unseren Fokus frei ausrichten: Wir können uns Sorgen machen, in Angst leben, dieser Korona-Situation ständig unsere Aufmerksamkeit geben, wir können tiefer in uns selber hinein versinken und uns aus diesem schwierigen, aber auch nötigen Prozess des Rückkehrs zum Wesentlichen ausschließen, oder, wir können unseren Fokus auf unseren Gott richten: Uns daran erinnern, dass er derjenige ist, der unser Leben in seinen Händen hält. Wir können unseren Blick immer wieder neu auf Jesus richten, der sein Leben für uns gibt und uns ständig zu einer lebendigen, dynamischen Beziehung mit ihm einlädt. Wir brauchen neuen Glauben für jeden neuen Tag. Jeder Tag ist anders, aber Jesus bleibt unser wahrer Weinstock, der uns fest in ihm hält. 

Es ist meine Hoffnung, wenn wir irgendwann später auf diese Zeit unseres Lebens zurückschauen, dass wir sagen können: Gott hat mich da festgehalten. Außer ihm konnte ich und kann ich nichts tun. Er ist der Quelle meines Lebens, die mich in guten wie auch in schwierigen Zeiten erfüllt.

Liebe Gemeinde,

lasst uns diese Zeit nutzen, um unser Leben von einer anderen Perspektive zu betrachten. Anstatt uns in den Frust hineinzustürzen wegen allem was uns verboten ist, lass uns die Möglichkeit nutzen, die Natur mit einem Spaziergang zu genießen und selbst mit Gott ins Gespräch kommen. Anstatt in dem Gefühl der Einsamkeit zu bleiben, lasst uns Leute anrufen, die wir auf dem Herzen haben, nur um zu fragen, wie es ihnen geht. Anstatt uns aufzuregen wegen den Dingen in der Wohnung, die scheinbar immer im Weg stehen, lasst es uns als eine Challenge (Herausforderung) sehen, kreative Lösungen zu suchen oder ein neues Projekt zu beginnen (ich muss zugeben, dass ich diesen Satz für mich selbst geschrieben habe). Ich rede nicht einfach von einer Art des „positiven Denkens“, sondern von der Erwartung, dass Gottes Leben in mir neue Möglichkeiten schaffen kann, und zwar in allen Bereichen meines Lebens. Liebe Gemeinde, die Früchte des Glaubens werden aus unserem Leben entstehen. Die Früchte sind nicht das Ende, sondern ein Nebenprodukt eines Lebens, das von Gottes Liebe durchdrungen ist. Mögen wir auch in dieser Zeit nicht vergessen aus dieser Quelle zu schöpfen um wieder neue Kraft, neue Hoffnung und neue Perspektiven zu gewinnen. Mögen wir jeden Tag neu lernen an Gott festzuhalten. Lasst uns in ihm bleiben. Diese Winterzeit wird irgendwann vorbei sein und das neue Leben, ja, der Frühling, wird aufgehen. Amen.